Wilhelm Hugo - Exilarchiv

Willkommen !

Eine Einführung in unsere Arbeit

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen die Arbeit und die Ziele unserer Einrichtung vorstellen, die den Namen eines unserer Großväter - Wilhelm Hugo - trägt, der am 17. September 1942 in Frankfurt am Main wegen dem hingerichtet wurde. was sich in der NS-Rechtsprechung "Vorbereitung zum Hochverrat" nannte. Mit Ihrer Weigerung sich im Denken und im Handeln der Mehrzahl der Deutschen der damaligen Zeit anzuschließen hatten Herr Hugo und die sechs Männer die mit ihm ermordet wurden tatsächlich eine Gesellschaft "verraten" die weder Gerechtigkeit noch gleiche Rechte kannte. Eine Gesellschaft die Solidarität und Mitgefühl aus ihrem moralischen Wertesystem ausgeschlossen hatte - eine Gesellschaft die auf die Zerstörung der persönlichen Integrität ihrer Mitglieder abzielte. Noch heute besteht das größte Tabu in der deutschen Gesellschaft darin die Wurzeln des deutschen Nationalsozialismus zu benennen und das hinter ihm stehende System zu demaskieren - ein System mit dem niemals gebrochen wurde und welches noch immer virulent ist. Ein System welches nicht auf Deutschland oder Europa beschränkt ist.

Menschen tragen nicht bereits bei der Geburt den Haß in sich der sie im Verlauf ihres Lebens dazu bringen wird andere Menschen zu quälen und zu ermorden. Unsere Forschungen zielen darauf ab, aufzuzeigen wie und wann dieser Haß ins Leben gerufen wurde, durch welche Mittel er jeder neuen Generation eingepflanzt wird und was notwendig wäre um den Haß endgültig zu überwinden und ihn aus der menschlichen Existenz zu löschen.

Unsere Untersuchungen konzentrieren sich auf folgende Themen:

Antisemitismus:

europäische Geschichte:

Das Wilhelm Hugo - Exilarchiv wurde 1996 gegründet, zu einer Zeit als wir in der andalusischen Stadt Motril lebten, da wir in Deutschland aufgrund unserer Recherchen über die Aktivitäten von Weggefährten des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl bedroht worden waren.

Motril liegt an der granadiensischen Küste welche auch unter dem Namen Tropische Küste bekannt ist. Anders als man vermuten würde gibt es keine Tourismusinfrastruktur in Motril, welches seit Jahren entweder von der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) alleine oder in Koalition mit anderen linken Parteien wie etwa der Vereinigten Linken (Izquierda Unida) regiert wird. Wie in ganz Andalusien so gibt es auch in Motril eine hohe Arbeitslosenrate und viele Menschen versuchen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Betrieb kleiner Geschäfte zu verdienen in denen man von Lebensmitteln bis Haushaltsgegenständen alles kaufen kann. Viele junge Frauen arbeiten in Supermärkten die gewöhnlich zu multinationalen Konzernen gehören und die häufig noch nicht einmal das Gehalt auszahlen das in den Arbeitsverträgen festgelegt ist. Diejenigen die Land besitzen errichten mehr und mehr Treibhäuser, womit sie sich eine Politik der andalusischen Regierung zu eigen macht, die für diese Art der Landwirtschaft Zuschüsse bereitstellt ohne die Auswirkungen derselben auf Böden und Atmosphäre zu berücksichtigen. Es scheint als ob die Landwirtschaft die Hauptertragsquelle der motrilenischen Wirtschaft darstellen würde. Und dann gibt es noch eine Industrieanlage namens Torraspapel S.A. von der gesagt wird es sei eine Papierfabrik. Diese Anlage wurde ursprünglich in den sechziger Jahren errichtet als Spanien noch von dem Diktator Francisco Franco beherrscht wurde. Heute gehört sie zum Firmenkomplex Torras Hostench dessen Eigentümer das Finanzministerium des Staates Kuwait ist.

Da wir selbst sehr ernsthaft erkrankten und wegen der ungewöhnlich hohen Zahl der mit Down Syndrome geborenen Kinder, sowie der sehr seltenen Krebsarten an denen viele Motrilenen starben begannen wir die Rolle von Umweltgiften in Motril zu untersuchen. Wir brauchten nicht lange um herauszufinden, daß die sogenannte Papierfabrik die tatsächlich gefährliche Materialien wie Polyvinyl Chlorid (PVC) und Aluminium produziert bzw. weiterverarbeitet 2,3,7,8 Tetrachlordibenzo-p-dioxin in die Atmosphäre freisetzt. Wir versuchten mehrere Monate lang örtliche, regionale und nationale Behörden dazu zu bewegen Ihren Verpflichtungen gemäß der spanischen Rechtsvorschriften wie auch der Vorschriften der Europäischen Union nachzukommen und die hochgiftigen Emissionen der Fabrik von Torraspapel zu stoppen.

Als schließlich im Februar 1999 offensichtlich geworden war, daß weder die örtlichen Behörden in Motril noch die verantwortlichen Körperschaften in Sevilla oder Madrid im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung von Motril handeln würden erstatteten wir beim zweithöchsten Gerichtshof Spaniens, der Audiencia Nacional, Strafanzeige. Wir taten dies um weiteren Schaden an einer Bevölkerung zu verhindern deren Mehrzahl keine Vorstellung davon hat wofür das Wort Dioxin steht geschweige denn von dessen extrem giftigen Eigenschaften Kenntnis hat. Während einiger Wochen passierte erneut nichts. Erst nachdem wir Kopien unserer Strafanzeige an das höchste spanische Gericht (Tribunal Supremo) , das höchste andalusische Gericht (Tribunal Superior de Justicia de Andalucía) sowie die Generalstaatsanwaltschaft in Madrid (Fiscalía General del Estado) geschickt hatten, erhielten wir Nachricht von den für die Strafverfolgung Verantwortlichen. Im Mai 1999, drei Monate nach unserer ursprünglichen Strafanzeige bei der Audiencia Nacional wurde uns Gelegenheit gegeben vor der Guardía Civil auszusagen. Wir sagten insgesamt drei mal aus und stellten der Generalstaatsanwaltschaft Andalusiens jede einzelne Information zur Verfügung die wir über Torraspapel hatten.

Und dann, am 31. Mai 1999, taten sie was sie schon so viele Male vorher getan haben: sie klagten uns genau derjenigen Verbrechen an, die sie selbst begangen hatten. Gegen 14.45 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit wurde uns eine Vorladung für den 2. Juni 1999 zugestellt. In der Vorladung wurde das Verbrechen dessen wir angeklagt wurden nicht erwähnt und auch der Name des verantwortlichen Richters wurde nicht angegeben.

Zudem wurde unser zum damaligen Zeitpunkt 6 Monate alter Sohn Dan als Beschuldigter vorgeladen. Dan, dessen Schwangerschaft aufgrund der Dioxin-Emissionen für Mutter wie Kind lebensgefährlich gewesen war und der seine Geburt nur aufgrund unserer eigenen Kenntnisse und mit Hilfe eines befreundeten Arztes überlebt hatte sollte vor Gericht "in der Eigenschaft als Beschuldigter" vernommen werden. Wie gesagt, Dan war zu diesem Zeitpunkt 6 Monate alt. Unsere beiden älteren Kinder die seit Monaten unter den Vergiftungen der Fabrik zu leiden hatten sollten ohne Angabe von Gründen forensisch untersucht werden. Eine von uns mehrfach beantragte Messung der Giftwerte in unserem Blut und im Boden von Motril wurde bis heute nicht veranlaßt.

Da die Gerichte in Motril um 15.00 Uhr Dienstschluß haben gab es für uns also keine Gelegenheit mehr innerhalb der Dienstzeiten den verantwortlichen Richter zu sprechen. Also versuchten wir des Bereitschaftsrichters habhaft zu werden, aber es wurde uns verwehrt diesen zu sprechen. Nach Rücksprache mit einem Rechtsanwalt war ziemlich deutlich geworden, daß es für uns keine Möglichkeit gab uns gegen ein Establishment zu verteidigen, das nicht zu bemerkt haben schien, daß sich die Welt seit 1492 stark verändert hat. In den frühen Morgenstunden des 2. Juni 1999 verließen wir also um unserer Kinder Willen und um unserer selbst Willen Motril.

Was uns passierte ist selbstverständlich nichts neues. Seit den Zeiten des ehrenwerten Torquemada ist es unter gewissen Herren gängige Praxis unschuldige Menschen genau der Verbrechen anzuklagen die sie selbst verübt haben. Und wie auch in unserem Fall wird man für gewöhnlich angeklagt Kindern Schaden zugefügt zu haben. Vor Jahrhunderten wären wir auf den Scheiterhaufen von Ávila gelandet...

Seit numehr zwei Jahren leben und arbeiten wir wieder in Deutschland.

Sofern Sie weitere Informationen zu den Bereichen unserer Arbeit wünschen zögern Sie nicht sich mit uns per elektronischer oder normaler Post in Verbindung zu setzen. Sie könne auch gerne unseren kostenlosen elektronischen Rundbrief abonnieren. Das Aboformular erreichen Sie über die Navigationsleiste am Ende dieser Seite.

© Wilhelm Hugo - Exilarchiv
05. August 2001 - 16. Aw 5761

Wilhelm Hugo - Exilarchiv

Holzwiesenstrasse 15 / 104
72181 Starzach-Wachendorf
Deutschland / Germany / Alemania

[ exilarchiv@exilarchiv.org ]